Patagonien – eine Reise ans andere Ende der Welt

Patagonien – windumtostes Land am Ende der Welt. Im April 2017 reiste ich in das südliche Argentinien und Chile. Schwerpunkte dieser Reise waren das Seengebiet um Pucon und Puerto Varas, der Torres del Paine Nationalpark im Süden Chiles sowie der Besuch des Perito Moreno Gletschers in der Nähe von El Calafate in Argentinien.

Buenos Aires ist das erste Ziel meiner Reise – jedoch nur zum Umsteigen. Die Einreise verläuft zügig, da genug Beamte im Einsatz sind. Neben einem Augenscan wird auch ein Fingerabdruck genommen und bei der Ausreise aus Argentinien über einen Flughafen erneut abgeglichen. Mit dem Taxi geht es zu dem ca. 40km entfernt gelegenen Flughafen Aeroparque Jorge Newbery (AEP), der direkt am Rio de la Plata liegt. Über diesen Flughafen werden die meisten Inlandsflüge sowie einige Flüge in die benachbarten Länder durchgeführt, wogegen der Flughafen Ezeiza (EZE) hauptsächlich für internationale Langstreckenflüge genutzt wird. Aufgrund des enormen Straßenverkehrs in Buenos Aires (Einwohnerzahl Großraum Buenos Aires ca. 13 Mio.) ist eine Transferzeit von ca. 2 Stunden zwischen den beiden Flughäfen einzuplanen, während der Rush Hour noch bedeutend länger.

Nach knapp 2 Stunden Flugzeit ist San Carlos de Bariloche erreicht. Das Städtchen liegt am Rand der Anden am See Nahuel Huapi und dem gleichnamigen Nationalpark. Im Sommer eine beliebte Wanderdestination, im Winter ein angesagtes Skigebiet am Cerro Catedral.

 

Bariloche Stadtstrand am See Nahuel Huapi

 

Centro Civico, Plaza vor dem Rathaus von Bariloche

Die Haupteinkaufsstraße von Bariloche besticht vor allem durch die zahlreichen Schokoläden. Erhältlich ist die Schokolade in allen Variationen und auch die Eisläden locken mit leckeren Variationen.

RapaNui Schokolande & Eis in Bariloche – eine Sünde wert

Das Wetter in Bariloche unterscheidet sich grundlegend von dem 20 km entfernt gelegenen Urlaubsdörfchen Llao Llao. In Llao Llao gibt es die dreifache Niederschlagsmenge. Das wird an dem heutigen Tag deutlich.

Blick auf das Llao Llao mit dem gleichnamigen Luxusresort

Während es in Llao Llao in strömen regnet bessert sich das Wetter mit jedem Kilometer und in Bariloche scheint bereits die Sonne. Die Fahrt führt östlich aus Bariloche am Anfiteatro del Rio Limay und Valle Encantado vorbei Richtung Lago Traful.

Anfiteatro del Rio Limay

 

Valle Encantado

Ende April ist hier nicht mehr viel los. In den argentinischen Sommermonaten ist der See eine beliebte Urlaubsregion mit dem sehr überschaubaren Örtchen Villa Traful, einer Ansammlung aus einigen Ferienhäusern, Campingplätzen und vereinzelten Häusern. Weiter geht es vorbei am Lago Espejo nach Villa La Angostura, dem Ausgangspunkt für einen Besuch des Nationalpark Los Arrayanes. Je näher ich den Anden komme, umso schlechter wird wieder das Wetter.

Das kleine Städtchen Pucon auf der chilenischen Seite der Anden ist das nächste Ziel meiner Reise. Nach einer ganztägigen Fahrt mit Linienbus und Mietwagen erreiche ich den malerisch gelegenen Ort am Lago Villarica und dem gleichnamigen Vulkan. Hier bietet sich für Outdoor Enthusiasten ein reichhaltiges Betätigungsfeld. Wer es sich leisten kann, übernachtet im komfortablen Hacienda Hotel Vira Vira. Im All Inclusive Angebot sind neben der Vollverpflegung und zahlreichen ausgewählten Drinks auch zahlreiche Ausflüge in kleinen Gruppen in der Umgebung enthalten.

Vira Vira Hauptgebäude

 

Vira Vira Aufenthaltsbereich

 

Vira Vira Kaminzimmer

 

Weitläufige Außenanlage Vira Vira

Sehr zu empfehlen ist ein Ausflug Richtung argentinische Grenze in unmittelbarer Nähe des schneebedeckten Vulkans Lanin. Vom Parkplatz am Lago Quilleihue führt die Wanderung durch einen wunderschönen Araukarien Wald mit einem kurzen Abstecher zur „Versteckten Lagune“ und weiter zur Huenfuica Lagune. Sie wird umrahmt von Lenga-Südbuchen und Araukarien Bäumen. Bei schönem Wetter hat man einen tollen Blick auf den erloschenen Vulkan Lanin mit einer Höhe von 3.747m. Dieser blieb uns bei strömendem Regen leider verwehrt. 

Araukarien Wald

 

Lagune Huenfuica

 

Einheimischer Karakara – oder auch Geierfalke

Am Vormittag steht  wir einen Ausflug in den Huerquehue Nationalpark. Der Park ist 125 Quadratkilometer groß und besticht durch seine Araukarien Urwälder mit Bergseen und Wasserfällen. Die Zufahrt ist nur mit einem 4WD möglich und vor Ort ist eine Nationalparkgebühr zu entrichten. Immer wieder gibt es schöne Aussichtsmöglichkeiten auf den Vulkan Villarica.

Vulkan Villarica aus der Ferne

Am Nachmittag geht es genau zu diesem Vulkan. Über eine zunächst geteerte Straße geht es in den Villarica Nationalpark, dem ältesten Nationalpark Chiles. Die geteerte Straße geht nach einer Weile in eine Schotterpiste über. Der Villarica ist ein sehr aktiver Vulkan – in den letzten 500 Jahren wurden 50 Ausbrüche registriert. Bei gutem Wetter ist sogar eine Gipfelbesteigung möglich. Wir begnügen uns, auch wegen des stark schwankenden Wetters, mit einer kürzeren Rundwanderung zu den „Mirrador los crateres“

Wanderung am Vulkan Villarica

Heute fahren wir von Pucon nach Puerto Varas. Die ca. 40.000 Einwohner umfassende Stadt liegt in der Region de los Lagos direkt am See Llanquihue. Am anderen Seeende liegt der Vulkan Osorno mit seinen 2.652 Metern. Puerto Varas wird auch Rosenstadt genannt, da das Stadtgebiet im Bereich der Uferpromenade von mehreren Rosen-Gärten durchzogen ist. Die Stadt ist deutsch geprägt mit vielen historischen Gebäuden aus der Gründerzeit. Bekannteste Sehenswürdigkeit ist die „deutsche Pfarrkirche“ Sagrado Corazón de Jesús, eine Holzkonstruktion mit Wellblechverkleidung.

Puerto Varas am Lago Llanquihue

 

„Food Truck“ in Puerto Varas

Von Puerto Varas aus geht es immer am See entlang zu der Base von ko‘ kayak im Örtchen Ensenada. Hier ziehen wir uns um und erhalten Ganzkörper-Neopren Anzüge und die sonstige Ausrüstung. Weiter geht es in den Fjord Arm bei Ralun. Mittags stoppen wir an einem einsam im Fiord gelegenen Grundstück mit eigener kleiner Landwirtschaft und erhalten einen Einblick in das einsame und einfache Leben der Eigentümer. Gegen 15 Uhr ist die Tour beendet und wir fahren zurück nach Puerto Varas

 

Am Vormittag Transfer in das 20km entfernte Puerto Montt und Flug mit Sky Airlines nach Punta Arenas in Süd-Patagonien. Sky Airlines bietet günstige Flugtarife in Südamerika an. Der Sitzplatzabstand ist nicht gerade üppig und Menschen mit mehr als 1,80m bekommen sicherlich schnell Probleme. Aufgegebenes Gepäck muss zusätzlich bezahlt werden, genauso wie Snacks und Getränke. Die Nebenkosten sind jedoch überschaubar. Direkt am Flughafen in Punta Arenas nehmen wir einen Hertz 4WD Pick Up an und fahren nach einer kurzen Einweisung 250km nach Puerto Natales und nach einem kurzen Tankstop aufgrund der fehlenden Tankmöglichkeit im Torres del Paine Nationalpark nochmals 100km weiter.

4WD Doppelkabiner Mietwagen am Rande des Torres del Paine Nationalparks

Große Teile der Straßen im Nationalpark sind nicht geteert. Die Schotterstraßen sind in einem einigermaßen guten Zustand. Manche Teilstücke sind jedoch von großen und tiefen Schlaglöchern durchzogen, weswegen ein Fahrzeug mit großer Bodenfreiheit (nicht unbedingt 4WD) anzuraten ist. Das Eco Camp ist Ziel meiner Reise. Übernachtet wird in Felsdomen und es wird alles im Einklang mit der Natur betrieben. Das EcoCamp kann als All Inclusive Variante inkl. Ausflüge oder auch in Verbindung mit geführten Wanderungen durch den Nationalpark gebucht werden.

EcoCamp Patagonia – Zeltdome für 2-4 Personen

 

EcoCamp Patagonia – Empfangsbereich

 

Aufenthaltsbereich im EcoCamp Patagonia

Am frühen Morgen Aufbruch zum Base of Torres Walk. 18Km lang ist diese Wanderung und dauert ca. 8 Stunden. Sie gehört zu den beliebtesten Wanderungen im Nationalpark und bietet bei gutem Wetter einen wundervollen Blick über die 3 Türme, welche Sie wie in einem Amphietheater in einem Bergsee spiegeln.

Torres Base Walk

Fahrt durch den Torres del Paine NP. Die Höhepunkte des Parks werden besichtigt: Laguna Azul, Lago Grey und Grey Gletscher, Laguna Verde sowie Hotelbesichtungen im Explora Patagonia, der Hosteria Grey, der Pampa Lodge und das Tierra Patagonia.

Das Tierra Patagonia liegt am Rande des Nationalparks mit atemberaubenden Blick über den Lago Sarmiento auf des Paine Massiv. Das großzügig gestaltete und langgestreckte Gebäude besticht durch viel Holz und lädt zum Verweilen ein – besonders bei schlechtem Wetter. Das All Inclusive Angebot umfasst wiederum neben der Verpflegung und einer reichen Auswahl an Getränken auch ausgewählte Ausflüge in die Umgebung.

Tierra Patagonia Aufenthaltsbereich

 

Tierra Patagonia Restaurantbereich

 

Seitenansicht des Tierra Patagonia

Heute stehen zwei Ausflüge auf dem Programm. Ein halbtägiger Ausflug auf eine Felsformation mit tollem Rundumblick. Zudem sieht man Anden-Kondore aus nächster Nähe sowie Karakaras und Füchse und Guanacos.

Der Ausflug am Nachmittag folgt dem Hunters Trail in der Nähe des Lago Sarmiento. Durch eine Buschlandschaft hinweg geht es zu einer Höhle mit Zeichnungen der Ureinwohner vom Stamm der Aonikenk von vor 6.000 Jahren. Die Wanderung endet an der Laguna Amarga.

Am Tag darauf geht es zurück nach Puerto Natales, wo die Abgabe des Mietwagens erfolgt. Während der Hochsaison werden sogar direkt von Puerto Natales aus Flüge nach Santiago de Chile angeboten, was einem die lange Fahrt nach Puerto Natales erspart.

Puerto Natales ist eine Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern in der Kommune Natales. Die Hafenstadt ist die Hauptstadt der Provinz Ultima Esperanza. Sie liegt 247 km nordwestlich von Punta Arenas am Última-Esperanza-Fjord und ist die Ausgangsbasis für Exkursionen in den Nationalpark Torres del Paine und den Nationalpark Bernardo O’Higgins sowie für Feuerland und Patagonien Touren. Das Städtchen hat nicht all zu viel zu bieten, jedoch aber die wohl südlichst gelegene Eisdiele der Welt.

 

Eisdiele in Puerto Natales – die wohl Südlichste dieser Erde

 

Auswahl an Eissorten – jeden Tag frisch zubereitet

 

Am frühen Morgen geht es mit einem Linienbus wieder zurück nach Argentinien. El Calafate, Ausgangspunkt für Ausflüge zum Perito Moreno Gletscher, ist das Ziel, welches nach 5-stündiger Fahrt erreicht wird. El Calafate ist Hauptstadt des Departamento Lago Argentino und Zentrum des Tourismus für den Nationalpark Los Glaciares mit dem bekannten Gletscher Perito Moreno am Fuß der Anden.

Perito Morneo vom Schiff – Safari Nautico

 

Perito Moreno Gletscher

Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Auslassgletscher des Campo de Hielo Sur, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden. Bekannt ist der Gletscher vor allem dadurch, dass seine im Lago Argentino endende Gletscherzunge den südlichen Arm des Sees absperrt und aufstaut, der sich dann periodisch entleert. Benannt wurde der Gletscher nach Perito Moreno, einem argentinischen Geografen, der sich insbesondere Patagonien widmete. Heute gehört der Gletscher zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens. Er ist der meistbesuchte Ort des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalpark Los Glaciares. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Region zieht sich der Perito-Moreno-Gletscher nicht zurück. Die Fahrt von El Calafate zum Gletscher dauert ca. 1 Stunden. Vor Ort kann man meine Bootsfahrt direkt an die Gletscherzunge unternehmen. Die Safari Nautico dauert ca. 90 Minuten und ist sehr empfehlenswert. Man kommt dem bis zu 70 Meter hohen Gletscher sehr nah. Danach kann man auf einem sehr gut ausgebauten Rundwanderweg den Gletscher aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Ein Naturschauspiel der besonderen Art, welches auf keiner Argentinien Reise fehlen darf.

Perito Moreno

 

Perito Moreno Gletscher vom Boot

 

Tobias Odziomek
Eine Wanderung durch den Abel Tasman National Park bei strahlendem Sonnenschein und menschenleeren Stränden – das war eines meiner Highlights in Neuseeland... Einem Land, in dem sich mit jedem Kilometer die Landschaft und leider oder glücklicherweise manchmal auch das Wetter ändert. Für Naturliebhaber ein Muss - Mein Tipp: In der Nebensaison das Land bereisen, dann hat man viele Sehenswürdigkeiten bzw. Nationalparks fast für sich und profitiert von günstigeren Preisen. Auch der südamerikanische Kontinent, welchen ich in den letzten 4 Jahren fast gänzlich bereist habe, fasziniert mich mit seinen Regenwäldern und der einzigartigen Tierwelt. Wo's als nächstes hingeht, ist noch nicht sicher. Vielleicht Kolumbien oder Fidschi.