Reisen in Corona-Zeiten: Namibia, bestes Beispiel

Anfang Dezember 2020

Namibia, ehemals deutsche Kolonie, ein Wüstenland im südlichen Afrika. 2,5 Millionen Einwohner verteilen sich auf eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland. Weite Landstriche sind unbewohnt, die auf der Landkarte eingezeichneten Orte bestehen mitunter aus fünf Häusern. Tagsüber ist es ganzjährig sommerlich warm bis heiß, was auch bedeutet, dass sich das Leben und das Reisen draußen abspielen. Namibia erscheint mir als perfektes Reiseziel in Corona-Zeiten. Dort kann ich Abstand halten, mich frei bewegen und muss in freier Natur nicht ständig einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Namibia ist derzeit von Covid 19 kaum betroffen, kein Risikoland und somit ohne Quarantäne zu bereisen. Gesagt, getan. Ich entscheide mich für eine Mietwagenreise und buche kurzfristig. Von der Idee, nach Namibia zu fliegen, bis zu meinem Abflug vergehen gerade einmal drei Wochen. (Am 24.12.2020 wird Namibia vom RKI zum Risikoland erklärt. Die Zahlen sind angestiegen.)

Köcherbaumwald
Oryx-Antilopen in der Namib-Wüste

PCR-Test

Ein bisschen Gedanken mache ich mir natürlich schon. Wie geht das mit einem Corona-Test? Woher bekomme ich den? Namibia verlangt aktuell (Stand: Dezember 2020) zur Einreise einen negativen PCR-Test, der bei Ankunft in Namibia nicht älter als 72 Stunden sein darf (bzw. wenn er älter als 72 Stunden ist, aber weniger als 7 Tage, dann müsste man vor Ort in Quarantäne). Alles nicht so einfach, wenn man sich noch nie hat testen lassen. Aber das Internet beantwortet bekanntlich viele Fragen. Dann aber das erste Problem: Es gibt Tests, bei denen einem lediglich mitgeteilt wird, ob der Test negativ oder positiv ist. Das reicht nicht. Schließlich benötige ich für die Einreise nach Namibia ein englischsprachiges Testergebnis. In München ist auch das erhältlich, aber man muss sich zuvor gut informieren wo. Es ist auch so, dass bei den Corona-Teststationen kontrolliert wird, wo mein Wohnsitz ist. Bin ich Münchner Bürger, werde ich in München getestet. Es gibt also jede Menge zu beachten. Ein wenig zittere ich auch, wann denn das Testergebnis endlich da ist. Aber nach 30 Stunden halte ich es in der Hand und kann mich beruhigt in Richtung Flughafen aufmachen.

Fernreisen in Corona-Zeiten

Nonstop-Flug

Eurowings fliegt derzeit (Stand: Dezember 2020) drei Mal die Woche nonstop von Frankfurt nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Dies veranlasst mich dazu, mich ins Auto zu setzen und den weiten Weg nach Frankfurt auf mich zu nehmen. Das Parkhaus am Flughafen verlangt für zwei Wochen gerade einmal 100 Euro Parkgebühren. Ideal und ich bin nah dran am Terminal. Auf dem kurzen Weg zur Gepäckabgabe begegnen mir noch einige Menschen. Nach der Sicherheitskontrolle wird es schon etwas gespenstischer. Am riesigen Frankfurter Flughafen sind nur ganz wenige Läden geöffnet. Der Weg zum Gate ist einsam. Nur am Gate ist dann was los, aber immer noch so wenig, dass ich gut Abstand halten kann. Mein Mund-Nasen-Schutz begleitet mich, seit ich das Auto im Parkhaus abgestellt habe. Ich esse noch eine mitgebrachte Kleinigkeit. Hierzu darf ich die Maske kurz abnehmen. Als ich mir aber nochmals die Beine vertrete, höre ich wie Sicherheitspersonal zwei Reisende darauf hinweist, dass sie zwar zum Trinken die Maske abnehmen dürften, diese dann aber nach jedem Schluck wieder aufsetzen müssten. Ganz einfach ist es nicht, das Reisen aktuell. Aber für mich bleibt alles im Rahmen.

Am Gate wird durchgesagt, dass jeder vor dem Boarding seinen negativen Corona-Test vorzeigen müsse. Ich gehe also zum Schalter am Gate, einige Passagiere stehen schon zum Boarding an. Auch wenn das alles nicht ganz perfekt organisiert ist, klappt doch alles gut. Den PCR-Test habe ich übrigens in doppelter Ausfertigung dabei und auch nochmal online Zugriff darauf. Man weiß ja nie. Beim Boarding wird nochmals auf das Abstandhalten hingewiesen, was auch gut funktioniert. Alle erscheinen mir weniger hektisch als das sonst/früher auf einem Flughafen der Fall war. Der Platz neben mir im Flugzeug bleibt frei, auch wenn insgesamt die Maschine doch ganz gut gebucht ist. Schätzungsweise 60 – 70 % der Sitzplätze sind belegt. Vor und hinter mir sitzen andere Reisende, aber ein bisschen Abstand bleibt mir. Zudem wird die Luft im Flugzeug ja alle drei Minuten ausgetauscht. Mit meinem Mund-Nasen-Schutz habe ich ein gutes Gefühl. Zwei Mal wird Essen serviert auf dem 10,5 Stunden langen Flug. Während ich esse und trinke, darf ich die Maske abnehmen. Ein Duty-Free-Service findet aktuell nicht statt. Das Bordpersonal geht nur selten durch die Reihen. Dafür bekomme ich eine Wasserflasche für den Flug. Auch die Fluggesellschaften sind angehalten und versuchen, Kontakte zu vermeiden. Es wird darauf hingewiesen, keine Warteschlangen vor den Toiletten entstehen zu lassen. Auch dies klappt überraschend gut. Vor der Ankunft in Windhoek gibt es eine Durchsage, wie das Aussteigeprozedere derzeit abläuft. Das Flugzeug wird nach Reihen verlassen. Die Business Class vorne beginnt. Aufstehen darf ich erst, als meine Sitzreihe aufgerufen wird. Erst dann hole ich mein Handgepäck aus dem Gepäckfach über mir. Dieses neue Aussteigeverfahren kann meiner Meinung nach auch gerne in Zukunft beibehalten werden. Es geht schnell und unproblematisch vonstatten.

Nonstop-Flug nach Namibia mit Eurowings

Reisen mit Kindern?

Was mir auf dem Flug besonders ins Auge sticht, sind zahlreiche Familien mit kleinen Kindern. Ich wundere mich ein bisschen, dass in diesen Zeiten doch recht viele Kleinkinder an Bord sind. Dann erfahre ich aber, wie unkompliziert eine Reise nach Namibia in Corona-Zeiten mit Kleinkindern ist. Im Gegensatz zu Erwachsenen benötigen Kinder unter 5 Jahren zur Einreise keinen PCR-Test. Auf dem Flug mit Eurowings sind Kinder unter 7 Jahren von der Mundschutzpflicht befreit. In einigen Lodges gibt es Spielzeug für die Kleinen oder sogar einen Spielplatz.

Fernreisen mit Kindern – selbst in Corona-Zeiten sehr gut machbar

Einreise

In Windhoek angekommen gehe ich über das Rollfeld und stelle mich noch außerhalb des Flughafengebäudes in die Schlange. Direkt hinter der Tür wird zunächst einmal mein Pass und mein Corona-Test überprüft. Den PCR-Test muss ich später noch zwei weitere Male vorzeigen, bevor ich das Flughafengebäude wieder verlassen darf. Sowohl bei der Passkontrolle als auch vor dem Ausgang/bei der Gepäckkontrolle zeige ich meinen negativen Corona-Test erneut vor. Dann aber ist es geschafft, ich bin eingereist und meine Tour durch Namibia kann beginnen.

Zunächst einmal geht es zur Mietstation von Britz. Immer noch trage ich übrigens meinen Mund-Nasen-Schutz. Meine Hände werden desinfiziert. Die Formalitäten für die Fahrzeugannahme müssen geklärt werden, dann folgt eine Einführung in den großen, komfortablen Allradwagen (Toyota Fortuner) und eine Inspektion des Fahrzeugs selbst. All das wird mit dem nötigen Corona-Sicherheitsabstand gemeistert. Ich bekomme auch Tipps zum Fahren auf tiefem Sand (Ablassen der Luft etc.) und ein paar Hinweise zu den Verkehrsregeln in Namibia. Da mich viele Pads (Schotterstraßen) erwarten werden, ist ein Allradwagen die beste Wahl.

Allradwagen sind von Vorteil…
…auf namibischen Pisten (Pads)

Corona-Schutzmaßnahmen

Und dann ist es so weit, ich sitze im Wagen und los geht’s. Mein erstes Ziel ist die drei Stunden entfernte Kalahari. Das Thermometer steigt unaufhaltsam auf 39 Grad Celsius an. In der Kalahari Anib Lodge werde ich freundlich empfangen, mein Gepäck abgeholt. In der offenen Rezeption desinfiziere ich meine Hände. Desinfektionsspender stehen am Eingang zur Verfügung. Fieber wird gemessen und das übliche Anmeldeformular wird ausgefüllt. Zusätzlich unterzeichne ich das Corona-Formular, auf dem meine Temperatur eingetragen wird. Die Angestellten der Lodge tragen alle ihren Mund-Nasen-Schutz. In Innenräumen setze ich meine Maske ebenfalls auf, auch wenn diese gut belüftet sind. Nachdem viele andere Gäste aber im gut belüfteten Restaurant am Abend keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, verzichte auch ich auf meinen. Die Tische stehen weit auseinander. Auf Abstand wird also geachtet. Fenster und Türen sind geöffnet und der offene Raum ist gut belüftet. Im Freien kann ich ebenso genügend Abstand halten. Es gibt zwei Pools und so verteilen sich die wenigen Gäste gut. Am Sunset Drive nimmt außer mir noch eine vierköpfige Familie teil. Im offenen Safarifahrzeug benötigen wir Gäste keinen Mundschutz. Frische Luft und Abstand können gewährt werden.

Die genannten Corona-Schutzmaßnahmen werden grundsätzlich in den namibischen Unterkünften getroffen. Darüber hinaus gibt es auf den Zimmern zusätzlich zu Seife und Shampoo nun auch Desinfektionsmittel. Es wird grundsätzlich bei Ankunft Fieber gemessen, in machen Lodges zusätzlich jeden Morgen. Bei Ankunft an der Rezeption und im engen Kontakt wird Maske getragen. Die Angestellten der Lodges, insbesondere in den Restaurants und Bars tragen Mund-Nasen-Schutz. Wenn es Essen in Buffetform gibt, darf aus Hygienegründen nicht selbst geschöpft werden.

Corona-Schutzmaßnahmen: Tische mit Abstand, Mund-Nasen-Schutz

Reiseverlauf, Lodges und Tiere

Kalahari:

Am Wasserloch der Kalahari Anib Lodge sind während meines Aufenthalts vorwiegend Elandantilopen. Ich entdecke auch Marabustörche, Mangusten und Erdmännchen. Um aber noch mehr Tiere zu sehen, empfiehlt sich der Sunset Drive. Neben Springböcken und Oryxantilopen sehe ich Gnus und Kudus, Strauße, ein Warzenschwein, eine Riesentrappe, weitere Vögel und Giraffen. Auf einer roten Sanddüne halten wir zum Sundowner. Ein Tisch, (alkoholische) Getränke, Snacks. So lässt es sich den ersten Abend auf Reisen doch gut zelebrieren.

Als nicht ganz so interessant empfinde ich das Wanderwegenetz. Außer Zikaden sehe ich hier kaum ein Tier. Es kann aber auch mit Fat Bikes genutzt werden, die gegen Gebühr in der Kalahari Anib Lodge angemietet werden können. Damit kommt man etwas weiter als zu Fuß, vermutlich die bessere Variante, die ich persönlich aber leider nicht mehr ausprobieren konnte.

Rote Kalahari-Sanddüne
Eland, die größten und schwersten Antilopen
Wandern in der Kalahari
Kudus verstecken und tarnen sich

NamibRand Nature Reserve:

Weiter geht meine Reise in westlicher Richtung. Ich verlasse die Kalahari und reise in die Namib-Wüste. Nur die Hälfte meiner heutigen Etappe ist asphaltiert, aber die Pad (die Schotterpiste) ist gut in Schuss. Es begegnet mir kaum ein anderes Auto. Man merkt, dass diese Strecke überwiegend touristisch genutzt wird und Touristen sind zur Zeit nur wenige im Land. Da die Piste kaum befahren, aber dennoch regelmäßig gewartet wird, lässt sie sich gut befahren. Endlich, nach knapp vier Stunden, ist mein nächstes Ziel erreicht: die exklusive Kwessi Dunes Lodge im NamibRand Nature Reserve. Die letzten sechs Kilometer bis zur Lodge lege ich auf Sand zurück.

Fahren auf Sand im NamibRand Nature Reserve

Die 2020 neu eröffnete Kwessi Dunes Lodge liegt in atemberaubender Landschaft. Mein großzügiger Bungalow verfügt über eine große, überdachte Terrasse mit Blick aufs Wasserloch. Oryxantilopen, Zebras und abends Schakale kommen zum Trinken. Ein Sunset Drive eröffnet mir immer neue Ausblicke. Das Schöne und Besondere am NamibRand ist, dass es sich hierbei um ein privates Schutzgebiet ohne Tagestouristen handelt. Exklusivität ist also garantiert. Die Lodges hier liegen aber auch im Luxuspreissegment. Mahlzeiten und Ausflüge sind im Übernachtungspreis bereits inklusive.

Auf einem Ausflug in die Dünen genieße ich nicht nur die Landschaft, sondern sehe auch einen endemischen Wüstengoldmull, den mein Guide aus dem Sand gräbt. Er verfolgt seine Spur und findet auf diese Weise das seltsame Tier ohne Augen. Tenebriokäfer und Eidechsen laufen über die Dünen. Habichte und Adler gehen auf die Jagd. Außerdem erwarten mich am Rand der Nubibberge in einem steinigen Tal ein Köcherbaumwald, einige Moringabäume, Strauße, Trappen, Löffelhunde und ein Oryxantilopen-Baby.

Kwessi Dunes Lodge
Galoppierende Oryx-Antilope
Mysteriöse Feenkreise in der Namib-Wüste
NamibRand – bezaubernde Landschaft
Mangusten sind eng verwandt mit Erdmännchen

Sesriem/Sossusvlei:

Nach einer kurzen, 45-minütigen Fahrt (Pad) bin ich in der Desert Homestead Lodge angekommen. Sie dient mir als Ausgangspunkt für einen Ausflug ins bekannte Sossusvlei. Mein Bungalow ist der einzige, der belegt ist. Die Lodge hat aktuell keine anderen Gäste. Zwei Pools stehen mir zur Verfügung, einer mit Blick aufs Wasserloch, zu dem Strauße, Springböcke und Zebras kommen. Auf dem Sunset Drive sehe ich viele weitere Bergzebras, Schakale, Geier, Trappen und Oryxantilopen. Die Fahrt führt über privates Gelände, ist landschaftlich reizvoll und endet mit einem Sundowner mit toller Aussicht. In der Desert Homestead Lodge werden auch Pferdeausritte angeboten und ein Joggingpfad wurde angelegt, auf dem auch gewandert werden darf.

Pool in der Desert Homestead Lodge, Namib-Wüste
Bad im Ranch-Stil, Desert Homestead Lodge
Oryx-Baby

Um 6.15 Uhr mache ich mich auf zum Sossusvlei. Als ich gegen 7 Uhr das Eingangstor erreiche, ist mein Auto das einzige. Keine lange Autoschlange, kein Warten wie dies üblicherweise der Fall ist. Schließlich ist das Sossusvlei DIE Sehenswürdigkeit Namibias, es ist die bekannteste Touristenattraktion (neben dem Etosha Nationalpark). Vom Eingangstor bis zum Parkplatz, der noch ca. fünf Kilometer vom Sossusvlei entfernt ist, also innerhalb des Nationalparks ist die Straße asphaltiert. Aktuell wurde nun auch die Zufahrt zum Nationalpark ab der Abzweigung C19 gerade geteert.

Nationalparks:

Nationalparkeintritte kosten mit Stand Dezember 2020 NAD 40 pro Person und Tag plus NAD 10 pro Fahrzeug und Tag mit Ausnahme von Sossusvlei und Etosha. Dort betragen die Nationalparkgebühren NAD 80 pro Person und Tag plus NAD 10 pro Fahrzeug und Tag. NAD 100 entsprechen aktuell weniger als EUR 6.

Im Sossusvlei begegnen mir den ganzen Tag über zehn Fahrzeuge, davon gehörten sechs alleine einer größeren, gemeinsam reisenden Gruppe an. Die ersten Meter beim Aufstieg auf die Düne 45 teilte ich noch mit drei weiteren Personen. Dann aber war ich alleine auf dem Dünenkamm unterwegs. Auf dem Parkplatz standen zwei Autos, darunter mein Mietwagen. Die Ruhe und Stille, die Einsamkeit ist überwältigend in solch einer grandiosen Dünenlandschaft. Natur pur! Im Sossusvlei parkte ein Auto, die Gruppe erklomm die Düne Big Daddy, im Deadvlei waren ein paar Personen unterwegs. In solch einer Leere reisen zu dürfen, ist ein Geschenk.

Düne 45 im Morgenlicht
Blick auf die Tonpfanne des Deadvlei
Abgestorbener Kameldornbaum im Deadvlei
Düne Big Mama im Sossusvlei
Die Wüste erobert sich die Straße zurück, so leer ist es im Namib Naukluft Nationalpark aktuell

Namibia war bereits zu so einem beliebten Reiseziel geworden, dass Lodges Monate im Voraus ausgebucht waren. Selbst Campingplätze mussten vorgebucht werden, um einen Stellplatz zu ergattern. Am Eingang zum Sossusvlei standen gerne einmal 40 Autos in der Schlange, man wartete u.U. eine halbe Stunde. Das Tor macht zum Sonnenaufgang auf. Man will keine wertvolle Zeit verlieren, insbesondere wenn man eine Düne erklimmen will und/oder zum ersten Mal da ist.

Swakopmund:

Eine lange Etappe steht mir bevor. Es soll nach Swakopmund gehen, Kleinstadt am Atlantik, dank des kalten Benguelastroms 15 Grad Celsius kühler als hier in der Wüste. Knapp fünf Stunden Fahrt auf Schotter. Glücklicherweise ist die Strecke kaum befahren und die Landschaft zu Beginn sehr abwechslungsreich. Erst jenseits des Kuiseb-Trockenflusses wird die Fahrt etwas öde. Kurz vor der Küste, dann endlich mal wieder Asphalt. Ich mache einen Abstecher zur Lagune von Walvis Bay und beobachte die unzähligen Flamingos im Wasser. Dann aber geht es nach Swakopmund und in mein Hotel. Für den Abend wähle ich ein Fischrestaurant (The Tug) aus, schließlich gibt es sonst reichlich Fleisch hier in Namibia (u.a. Antilope). Hier kann ich die Meeresbrise richtig genießen.

Kuiseb Canyon
Walvis Bay, Flamingo-Lagune am Atlantik
Swakopmunds Strand-Promenade

Am nächsten Morgen nehme ich am Living-Desert-Ausflug teil. Zum ersten Mal benötige ich meine Jacke, zumindest am Morgen, als es noch neblig ist. Der Ausflug führt in die Dünenlandschaft des Dorob Nationalparks außerhalb der Tore der Stadt Swakopmund. Dort Leben zu entdecken, ist gar nicht so einfach. Mein Guide macht das auf professionelle Art und Weise. Er zeigt uns einige endemische Wüstenbewohner, darunter das farbenfrohe Namibgecko, die giftige Zwergpuffotter oder Namibviper und das faszinierende Wüstenchamäleon. Auf eine weitere geführte Tour treffen wir heute in den Sanddünen. Mit nur wenigen Menschen muss ich dieses einmalige Erlebnis teilen.

Farbenprächtiges Wüstengecko
Wüstenchamäleon in der Namib-Wüste
Auf Schlangensuch in den Sanddünen des Dorob Nationalparks
Namibviper, Sandviper oder Zwergpuffotter – Achtung giftig!

Swakopmund ist eine Kleinstadt und wirkt dank der sehr breiten Straßen fast etwas verschlafen. In Kürze aber wird sich das Seebad füllen. In Namibia und im südlichen Afrika ist Swakopmund ein beliebtes Sommerreiseziel. Die Temperaturen sind weit angenehmer als im Inland. Es gibt ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten: Fallschirmspringen, Quad Bike, Kajakfahren, Mountainbike Trails und ein schönes Aquarium, in dem ausschließlich Fische der namibischen Küste gezeigt werden.

Erongogebirge:

Wieder benötige ich fast drei Stunden, um meine nächste Unterkunft zu erreichen. Ich mache mich früh auf den Weg. Vorbei an der Silhouette der Spitzkoppe geht es ungefähr jeweils zur Hälfte auf Asphalt und Schotter ins Erongogebirge. Kurz vor der Ai Aiba Lodge wird die Vegetation etwas grüner. Die Lage der Lodge ist imposant und idyllisch zugleich. Sie liegt eingebettet zwischen fast kugelrunden Felsen aus Granit. Mit etwas Glück sieht man im Tal Giraffen. Ans Wasserloch der Lodge trauen sich aktuell nur Springböcke und Vögel.

Das geologisch sehr beeindruckende Erongogebirge
Ai Aiba Lodge
Toko-Vögel bei Sonnenaufgang

Auf dem Sunset Drive, an dem ich nicht der Tiere wegen teilnehme, sondern die Landschaft genießen möchte und an den Felsbildern interessiert bin, sehe ich die ersten Tokos, Rosenpapageien, einen kleinen Steinbock und wieder Springböcke, Oryxantilpen und Warzenschweine. Paviane erklimmen in der Abendsonne den Gipfel eines Felsen, auf dem sie die Nacht verbringen. Es ist eine große Horde und so schon ein besonderes Schauspiel. Die Felsbilder, die wir aufsuchen, stammen vermutlich von den San, die im Erongogebirge während fruchtbarerer Zeiten jagten und Unterschlupf fanden. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Bilder Tiere und Menschen zeigen. Sie sind aus roter Farbe, die u.a. aus Tierblut hergestellt wurde.

Felsbilder aus Tierblut
Warzenschwein, aber Vorsicht: zahm ist Pumba nicht
Paviane erklimmen ihren Schlafplatz
Sonnenuntergang vor Granitkugeln

Mount Etjo:

In Richtung Norden wird die Vegetation zunehmend höher und grüner. Knapp 2,5 Stunden dauert die Fahrt zur Mount Etjo Safari Lodge (Pad, Asphaltstraße, Pad). Es gibt Termitenhügel und die eine oder andere Tiersichtung unterwegs. Die Mount Etjo Safari Lodge überrascht mit einer schönen, großzügigen Grünanlage, vielen natürlichen Schattenplätzen und einem See. Wenn man gerade nicht auf Pirschfahrt ist, lässt sich die Zeit gut zur Tierbeobachtung auf dem Lodge-Gelände nutzen. Verschiedene Vögel wie Glanzstare, Pirole, Würger, Tokos und Graulärmvögel sichte ich. Gänse sind überall. Im Wasser finde ich Flamingos, Pelikane, Reiher, Kraniche und Löffler. Am Ufer stehen Wasserböcke. Mein Highlight aber sind die Flusspferde, eine ganze Familie lebt hier im See.

Mount Etjo Safari Lodge
Flusspferd-Familie am See

Auch der Game Drive durch das Okonjati Reserve (Mount Etjo) ist ein wahrer Höhepunkt. Zahlreiche Giraffen, Elefantenbullen, Elefantenkühe mit ihren Babys, Zebras, Strauße, verschiedene Antilopenarten, darunter Springböcke, Impalas, Kudus, seltene Rappenantilopen und Eland, Schakale, Warzenschweine, Riesentrappen, Marabustörche, Paviane, ein Stachelschwein und ein Breitmaulnashorn bekomme ich vor die Kameralinse. Ein wahres Tierparadies!

Abends nach dem Essen nehme ich an einer Löwenfütterung teil, ein beeindruckendes Schauspiel. Die Rangordnung wird klar, aber es scheint genug für alle zu bleiben.

Elefantenjunge mit ihrer Mutter
Vor der Kulisse der Omatako-Berge
Breitmaulnashorn
Auf Pirschfahrt

Etosha Nationalpark:

Ein weiterer Höhepunkt soll folgen. Die Reise bringt mich zum Etosha Nationalpark. Gut drei Stunden Fahrt sind es auf asphaltierter Straße bis zur Etosha Safari Lodge, kurz vor dem Anderson Gate, einem der Eingänge zum Etosha Nationalpark. Die Landschaft wird flacher und die Vegetation saftig grün. Die Etosha Safari Lodge liegt auf einer Anhöhe und bietet einen traumhaften Blick über die Ebene. An manchen Tagen kann man in der Ferne Giraffen vom Pool aus beobachten. Auch das Restaurant bietet eine herrliche Aussicht.

Etosha Safari Lodge
Salzpfanne im Etosha Nationalpark

Im Etosha Nationalpark klappere ich die Wasserlöcher ab. Bereits am ersten Nachmittag sehe ich Giraffen, Zebras, Strauße, Schakale, Gnus, Impalas, Springböcke, Oryxantilopen, Kudus, Riesentrappen, Geier und einen kleinen Steinbock. Die Runde über die Wasserlöcher Olifantsbaud und Aus fährt gleichzeitig mit mir nur ein weiterer Mietwagen.

Springböcke im Etosha Nationalpark
Vogel Sekretär
Zebras am Wasserloch

Am nächsten Tag durchquere ich den Etosha Nationalpark vom Anderson Gate zum Von Lindequist Gate. Die Pad ist in ordentlichem Zustand, das gilt gleichermaßen für die Haupt- wie für die Nebenrouten. Einige Autos sind heute aber doch unterwegs. Trotzdem muss ich mir den Parkplatz an einem Wasserloch nie mit mehr als zwei oder höchstens drei weiteren Fahrzeugen teilen. Was heißt Parkplatz?! Aussteigen darf man ja nicht im Etosha Nationalpark, nur an wenigen ausgewiesenen Stellen und in den Camps. Die Wasserlöcher in Okaukuejo und Halali sind in jedem Fall einen Besuch (zu Fuß) wert. Ansonsten ist es schwer zu sagen, wann welches Wasserloch was für Tiere anzieht. Ich hatte Glück und habe drei Mal Elefanten gesehen (sowohl in der Nähe von Okaukuejo als auch Namutoni), eine Löwin (am Nebrowni-Wasserloch) und Herden von Giraffen, Zebras und Gnus. Besonders tierreich erlebte ich den kurzen Abstecher zum Wasserloch Batia inmitten des Parks. Zusätzlich neue Tiersichtungen für mich auf dieser Reise waren dann heute noch Hyänen, Adler, Sekretäre (Vögel) und kleine Wasserschildkröten. Am meisten gefreut habe ich mich aber über die vielen süßen Tierkinder, sei es ein Baby-Gnu, Straußenküken oder die Elefantenjungen.

Ein Elefant kreuzt
Eine Löwin streift durch die Savanne
Eine wahre Schönheit
Tüpfelhyäne
Giraffenherde am Wasserloch

Als besonders einladend habe ich das Mushara Bush Camp unweit des Von Lindequist Gate einige Kilometer außerhalb des Etosha Nationalparks empfunden. Liebe Mitarbeiter und eine gemütliche Atmosphäre empfingen mich dort. Es ist ein Camp mit Zeltunterkünften, die jeden erdenklichen Komfort (außer einer Klimaanlage) bieten. Es gibt bequeme Betten, Dusche/WC, Kühlschrank, Safe, Moskitonetz und Verdunklungsvorhänge in den feststehenden Zelten. Zusätzlich eine private Veranda mit Sitzgelegenheit. Das Restaurant und die Gemeinschaftsräume sind komplett offen gestaltet und topmodern. Man kann von hier neben Vögeln Geckos, Zebramangusten, Warzenschweine und am Abend Damara-Dikdiks beobachten. Das Essen ist äußerst lecker und die Getränke sind preiswert.

Komfortzelt im Mushara Bush Camp
Gemütliche Atmosphäre, Mushara Bush Camp
Zebramanguste
Damara Dikdik

Otjiwarongo:

Noch einmal steht eine knapp dreistündige Fahrt an (hauptsächlich geteerte Straßen). Ich reise vom Etosha Nationalpark via Tsumeb und durch das fruchtbare Otavi-Bergland nach Otjiwarongo. Untergebracht bin ich in der Frans Indongo Lodge, einer heimeligen und sehr gepflegten StandardPlus-Lodge mit Blick aufs Bushveld (namibische Steppe). Einige Antilopen, darunter Blessböcke und Wasserböcke, sind am Wasserloch zu sehen. Wer am Sunset Drive teilnimmt, kann mit Glück ein Nashorn sehen. Ein Wanderwegenetz führt auf einen Hügel mit Aussicht bis zum Waterberg Plateau. Während des Fußmarsches treffe ich auf Springböcke, Oryxantilopen und Zebras. Zu Fuß zu gehen war hier eine schöne Abwechslung.

Bushveld, namibische Savanne am Waterberg
Wasserböcke im Abendlicht

Windhoek:

Die letzte Etappe bringt mich zur Naankuse Lodge, vier Stunden dauert die Fahrt auf überwiegend Asphalt. Auf dem riesigen Gelände der Lodge leben Antilopen, Paviane, Schakale, Zebras und Giraffen sowie Karakale und Geparden. Letztere bekommt man aber nur bei der Raubtierfütterung zu Gesicht. Viele der Angestellten gehören dem Volk der San an. Die Non-Profit-Lodge bildet aus und schult und gewährt den San einen Zugang zu Ärzten. Auch eine Pirschfahrt im angrenzenden Zannier Reserve wird angeboten, ist aber überteuert für das, was das Zannier Reserve an Tierreichtum zu bieten hat. Die drei Elefanten sind schwer zu finden, nach Nashörner sucht man lange. Einzelne Antilopen und Zebras können entdeckt werden, Leopardensichtungen sind extrem selten. Das Erlebnis ist ein bisschen enttäuschend am Ende einer Namibiareise.

Naankuse Lodge in Flughafennähe

Und das war dann auch schon das Ende meiner Reise. 45 Minuten benötige ich zum Flughafen. 10,5 Stunden später lande ich bei 30 Grad Celsius weniger im nächtlichen Frankfurt und trete die Heimreise an. Eine Quarantäne stand mir nicht bevor, denn aufgrund der niedrigen Infektionszahlen in Namibia, ist Namibia kein Risikoland. Es ist aktuell eines der wenigen Länder, das sich so einfach bereisen lässt. Und es war einmal deutsche Kolonie. Die deutsche Sprache ist weit verbreitet. Meine Living-Desert-Tour ab Swakopmund fand sogar auf Deutsch statt. Durch die vielen hellhäutigen Namibianer, deren Muttersprache oft sogar Deutsch ist, fallen wir Deutschen nicht besonders auf. Es gibt einem als Reisendem ein sicheres Gefühl.

Fazit: Reisen in Corona-Zeiten? Ja! Namibia war menschenleer, keine Autoschlangen vor den Nationalparks, verwaiste Pools in den Lodges und viele nahe Tierbegegnungen. Besonders in Corona-Zeiten gilt, jetzt ist der beste Moment. Wenn Sie auf Reisen gehen möchten, zögern Sie nicht! Aktuell weiß leider niemand, wie schnell sich die Regelungen wieder ändern. Wir benötigen zwei bis drei Wochen Vorlauf und organisieren gerne Ihre Traumreise. Wie gesagt es lohnt sich. Wahrscheinlich werden die Touristenattraktionen nie wieder so leer und das Erlebnis so echt sein.

Verwaiste Pools
Kaum Autos
Faszinierende Tierbegegnungen