Namibia – Ein Roadtrip zu den Highlights

Im April 2014 konnte ich endlich wieder in mein geliebtes Namibia reisen. Dieses Land hat es mir nicht nur wegen meines fast 2-jährigen Aufenthaltes dort, sehr angetan.

Namibia, ungefähr 2,5 mal so groß wie Deutschland, mit seinen atemberaubenden unendlichen Weiten, lässt sich ideal als Selbstfahrer bereisen. Es ist vor allem bei Deutschen äußerst beliebt, auch aufgrund seiner Kolonialgeschichte. Heute leben immer noch ca. 20.000 Deutsche dort, bei einer Gesamteinwohnerzahl von ca. 2,3 Millionen, was Namibia zu einem der am dünnsten besiedelten Länder der Erde macht.

Es gilt außerdem auch als sicheres Reiseland, wenn man die sonst üblichen Regeln bei Reisen in fremde Länder einhält.

Unsere Tour startete in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, mit ca. 300.000 Einwohner. Es gibt mittlerweile wieder einige Fluggesellschaften, die dieses Ziel anfliegen: u.a. Air Namibia, Condor (beide direkt aus Deutschland) Qatar (via Doha), KLM (via Amsterdam) oder die South African Airways (via Johannesburg), was letztendlich unsere Wahl war.

Mit einem modernen Airbus 340-600 ging es ab München am Abend gegen 21 Uhr los, und schon am nächsten Morgen um ca. 10.30 Uhr landeten wir in der Hauptstadt.

Nach kurzer Akklimatisierung und einer Nacht in Windhoek (immer wieder schön bei Frau Pfaffenthaler in der Pension Palmquell), ging die Reise los.

Idealerweise fährt man durch Namibia mit einem jeepartigen Fahrzeug. Ein wenig Bodenfreiheit kann nicht schaden. Unser SUV (ein Hyundai iX35 von Europcar) war die komplette Reise ein zuverlässiger Partner.

Unser Gepäck für 4 Personen brachten wir auch komplett unter.

Unser Gefährt für die nächsten 14 Tage – Hyundai ix35 von Europcar

Von Windhoek aus startend, ging die Fahrt via Khomas Hochland in südwestlicher Richtung los. Hochland aus dem Grund, weil wir hier von einer Höhe von ca. 2.000 Meter über dem Meeresspiegel sprechen. Dementsprechend sind die Ausblicke vom Hochland in die Fläche der Namib Wüste atemberaubend.

Khomas Hochland (Spreetshoogte Pass) – Blick in die Weite der Namib

Man kann verschiedene Passstraßen von Windhoek Richtung Namib Naukluft Park fahren, wir entschieden uns für den bekannten Spreetshoogte Pass, der an manchen Stellen wegen seines steilen Gefälles sogar geteert wurde.

Die restliche „Pad“ (wie man in südwesterdeutsch so schön sagt) war dann doch eher typische Schotterpiste (gravel road), oft auch mit Hindernissen auf dem Weg.

Typisch afrikanischer „Roadblock“

Da Landschaften der Namib sind unbeschreiblich schön. Hier ist oftmals schon der Weg das Ziel, immer wieder hielten wir für kurze Fotostopps an.

Auf „Pad“ in Namibia – typische „Gravel Road“

Auch Tiere gab es immer wieder zu sehen, vor allem die Überlebenskünstler, denen das raue Wüstenklima (ohne viel Wasser), nicht so viel zu Schaffen macht – darunter die wunderschönen Oryx-Antilopen (Gemsbock), zahlreiche Springböcke und Strauße.

Oryx Antilope (Gemsbock)

 

Springbock Herde

 

Strauße in der endlosen Namibwüste

Unser erstes Unterkunftsziel war die Desert Homestead Lodge, welche ca. 30 km südlich vom berühmten Sesriem Canyon und somit dem Eingang in den Namib Naukluft Park, entfernt ist.

Desert Homestead Lodge – Nähe Namib Naukluft / Sesriem

 

Desert Homestead Lodge – Pool

Die 20 Chalets sind rund um den Hauptbereich gebaut. Es werden dort zahlreiche Aktivitäten angeboten, darunter auch Pferde-Safaris. Wer Lust und Laune hat, kann auch auf eigene Faust Wanderungen unternehmen. Es gibt einen Hügel direkt in der Nähe, von welchem man einen herrlichen Blick auf die Namib hat.

Atemberaubende Landschaften in der Namib

Der eigentliche Zweck dieses Aufenthaltes, ist natürlich der Besuch des Namib Naukluft Parks mit seinem berühmten Sossusvlei, den wohl höchsten Sanddünen der Erde.

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns los, den Park zu besuchen.

Die namibischen Parks öffnen in der Regel mit Sonnenaufgang und schließen entsprechend bei Sonnenuntergang. Da die Sonne je nach Monat zwischen 6 und 7 Uhr morgens aufgeht, kann man sich den Andrang um diese Zeit sicher vorstellen. Alle warten schon vorm Eingang und scharren mit den Hufen!

Da wir das natürlich wussten und uns den Stress nicht antun wollten, ließen wir uns schön Zeit.

In der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft 😉

Zum Sossusvlei sind es ca. 65 km, davon die ersten 60 km relativ gute Teerstrasse – trotzdem gilt hier aber Tempolimit und zwar 60 km/h !

Die ganz Aktiven kraxeln schon nach ca. 45 km die sogenannte „Düne 45“ hoch.

Die berühmte „Düne 45“ im Namib Naukluft Park (45 km vom Eingang entfernt)

Wie war das nochmal mit der Ruhe und der Kraft? Wir machten brav ein Bild und fuhren weiter bis zum Parkplatz des Sossusvlei.

Dieser Parkplatz ist für normale Fahrzeuge gedacht, die nicht geländefähig sind. Dort gibt es aber einen Shuttle-Service, welcher die Besucher die letzten 5 km bis ins Vlei bringt.

Sossusvlei Shuttle Service

Die Landschaften rund um das Sossusvlei sind weltbekannt – hier wurden auch schon einige Science Fiction Filme gedreht. Die Wanderdünen in dieser Region, können teilweise Höhen bis zu 300 Meter aufweisen.

Besonders beeindruckend ist das „Dead Vlei“ mit seiner Lehmpfanne und den abgestorbenen Akazienbäumen.

Das berühmte „Dead Vlei“ im Namib Naukluft Park

Manche Besucher, die mit einem Allradfahrzeug in Namibia umher reisen, versuchen die letzten 5 km ins Vlei auch auf eigene Faust. Wichtige Regel: Luft aus den Reifen lassen !

Ansonsten droht ein kleiner Kraftakt:

Fleißige Helfer im tiefen Sand

Unsere Reise ging weiter nach Norden, ins beliebte Küstenstädtchen Swakopmund. Und was wäre die Fahrt ohne einen kurzen Stopp in Solitaire, berühmt für seine Autowracks und einer legendären Bäckerei. Leider ist dessen Besitzer „Moose McGregor“ vor Kurzem verstorben. Ich bin mir also nicht ganz sicher, ob man seine Spezialität, den leckeren Apfelkuchen, noch in dieser Form weiterhin bekommen wird.

Bevölkerungsstatistik in Namibia

Wir hatten das Glück, noch ein Stückchen zu verzehren – eine gute Energiegrundlage für den etwas längeren Weg nach Swakopmund.

Swakopmund, spaßeshalber auch als das „Südlichste Nordseebad der Erde“ bezeichnet, ist Kolonialgeschichte zum Anfassen.

Die erhaltene deutsche Kultur, kann man hier noch an jeder Ecke spüren und erleben.

Das Hohenzollern Haus in Swakopmund

 

Swakopmund Leuchtturm

 

Ein wenig Kolonialgeschichte zum anfassen bzw. trinken 😉

Die kleine Stadt, mit ungefähr 40.000 Einwohnern, liegt direkt am Atlantischen Ozean und ist umringt von purer Namibwüste, was ihr einen einzigartigen Charakter verleiht.

Ich empfehle jedem Besucher meistens mehrere Nächte, da es hier so viel zu tun und zu erleben gibt.

Wüstenausflüge, Sandboarding, Quadbiking, Bootsausflüge von der Nachbarstadt Walvis Bay aus, Museumsbesuche, ein maritimes Aquarium, um nur ein paar Dinge zu erwähnen.

Man kann aber auch einfach nur die schönen Sonnenuntergänge beobachten und den kulinarischen Verwöhnprogrammen nachgehen. An Fisch und weiteren Delikatessen des Meeres fehlt es hier sicherlich nicht.

Herrlicher Sonnenuntergang im Atlantik

Wohnen durften wir im Beach Hotel Swakopmund, welches direkt am Ozean, direkt gegenüber des Aquariums und der Tiger Reef Bar gelegen ist.

Vom Dach des Hotels, wo auch der schöne Swimming Pool zu finden ist, kann man über die ganze Stadt schauen.

Swakopmund Beach Hotel – Blick vom Pool

Nach 3 Nächten Aufenthalt am Meer, ging unsere Reise weiter nach Norden, ins Damaraland.

Unser Ziel war das Camp Kipwe, in der Nähe von Twyfelfontein, was bekannt für seine prähistorischen Felsgravierungen ist.

Camp Kipwe ist eine tolle, nicht ganz günstige Unterkunft, die harmonisch in eine Granitfelsenlandschaft integriert wurde. Es gibt nur 9 strohgedeckte Rundhütten (Rondavels) mit einem Art Freiluftbadezimmer. Von den Terrassen hat man einen schönen Blick und die herrliche Landschaft.

Camp Kipwe im Damaraland (bei Twyfelfontein)

 

Grandiose Landschaften im Damaraland

Wir hatten leider nur eine Nacht gebucht, deshalb konnten wir keine der angebotenen Aktivitäten wahrnehmen. Am nächsten Morgen ging unsere Fahrt schon weiter Richtung Norden, auf dem Weg besuchten wir natürlich noch Twyfelfontein und entdeckten sehr komische Zeichnungen in den roten Felsen 😉

Die Felsgravuren von Twyfelfontein (UNESCO Weltkulturerbe)

Die informative und auch lustige Tour mit Führung dauerte ca. 1,5 Stunden – danach setzten wir unsere Reise fort. Immer weiter nach Norden über staubige Schotterpiste, kamen wir schließlich bei meiner alten Arbeitsstätte, der Palmwag Lodge, an.

Palmwag Lodge

Bekannt für seine wunderschönen Makalani Palmen, ist diese Lodge eine ideale Ausgangsbasis für die Erkundung des Damaralandes sowie auch des Kaokovelds. Außerdem dient Sie als Treffpunkt für Gäste, die in der Nachbar-Lodge, der Etendeka Mountain Camp, gebucht sind. Und das war bei uns der Fall.

Wir nahmen eine herrliches Bad im erfrischenden Swimming Pool der Palmwag Lodge und warteten auf unseren Transfer. Unser Fahrzeug konnten wir sicher bei Palmwag parken.

Unser bestellter Transfer kam pünktlich zum Treffpunkt und wir fuhren über Stock und Stein zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte.

Etendeka ist ein rustikales, aber sehr schönes individuelles Öko-Camp, inmitten einer privaten Konzession (Hegegebiet) im Damaraland. Die Landschaft hat für mich einen fast urzeitlichen Charakter. Tafelberglandschaften und ein freilebender Tierbestand, darunter die berühmten Wüstenelefanten, Spitzmaulnashörner, Löwen, Giraffen, Bergzebra, zahlreiche Antilopenarten und viele andere Tierarten, bieten eine einmalige Atmosphäre in traumhafter Kulisse.

Etendeka Mountain Camp im Damaraland

 

Etendeka Mountain Camp – Luxus Hauszelt mit „Bucket Shower“

 

Typische Landschaft mit Bergzebras und Springböcken

Wir unternahmen geführte Buschwanderungen mit erfahrenen Guides sowie Pirschfahrten mit dem offenen Safari-Fahrzeug. Es gab viel zu entdecken und am Abend erklärte uns der Besitzer Denis noch den Sternenhimmel mit seinem neuen Teleskop.

Begegnungen mit Giraffen auf dem „nature walk“

 

Die berühmten Wüsten-Elefanten

 

Neugierige Oryx-Antilopen Herde

Nach 3 ereignisreichen und tollen Tagen in einer wirklichen Wildnisregion, ohne Zaun und sonstigen Zeichen der Zivilisation, hieß es wieder Abschied nehmen von Etendeka und seinem tollen Team.

Unsere Reise ging Richtung Etosha, dem großen „Finale“ unserer Namibiatour. Via Khorixas mit einer Zwischenübernachtung in der Damara Mopane Lodge, welche sicherlich den größten Swimming Pool in ganz Namibia sein Eigentum nennen darf.

Damara Mopane Lodge – Pool (mit olympischen Maßen!)

Der Etosha Nationalpark ist neben dem Sossuvlei wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit in Namibia.

Mit einer Gesamtfläche von über 22.000 qkm, ist dieser Nationalpark so groß wie der bekannte Krüger Park in Südafrika. Das Tierspektakel ist ähnlich, es fehlen jedoch wasserabhängige Tiere wie z.B. Flusspferde, Krokodile und Büffel. Nichtsdestotrotz wird jedes Safari-Herz bei einem Besuch höher schlagen. Der Park ist relativ einfach auch als Selbstfahrer zu bereisen. Die Wege sind mit einem SUV super zu befahren, die Vegetation ist eher spärlich, so dass man die Tiere gut entdecken kann, nicht nur an den zahlreichen Wasserstellen.

Etosha Nationalpark – Kudubulle und Elefant am Wasserloch

 

Etosha Nationalpark – Zebraherde beim Trinken

Wir hatten 2 Nächte außerhalb des Parks gebucht, was kein Problem für uns war. Die erste Nacht verbrachten wir in der Toshari Lodge, welche ca. 25 km südlich des Anderson Gates gelegen ist. Eine schöne moderne Anlage mit großem Restaurant und Poolbereich.

Toshari Lodge (Nähe Etosha Park) – Pool

 

Toshari Lodge – Suite

Die zweite Nacht verbrachten wir im Etosha (Taleni) Village, eine nette Unterkunft direkt am Eingang vom Park. Etosha Village bietet 40 Zeltchalets und wurde nach Vorbild eines traditionellen Ovambo-Dorfes gebaut. Der Restaurantbereich wurde auch traditionell in drei Teile gegliedert, einen für Männer, einen für Frauen und einen für ältere Menschen und Kinder – man muss sich aber nicht unbedingt daran halten 😉

Etosha Taleni Village

Jeden Morgen, gleich nach dem Frühstück, fuhren wir sofort in den Park, um uns auf die Suche nach zahlreichen Tierarten zu machen. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Black Rhino (Spitzmaulnashorn) im Etosha Park

 

Zebras und Strauße in der endlosen Weite der Etosha Salzpfannen

Höhepunkt war ein 15-köpfiges Löwenrudel, welches wir lange und intensiv beobachten durften.

Löwenfamilie im Etosha Park

 

Mama Löwe scheint sehr zufrieden zu sein

Kurz vor Sonnenuntergang verließen wir den Park wieder. Zwei lange, erlebnisreiche Tage im Etosha Park gingen zu Ende.

Herrlicher Sonnenuntergang im Etosha Park

Das Ende unseres Namibia „Road Trips“ führte uns wieder zurück nach Windhoek, wo wir die letzte Nacht in der Nähe des Flughafens, bei der Etango Ranch verbrachten.

Die „namibianischen Stadtmusikanten“

Eine ähnliche Reise aus unserem Programm finden Sie hier:

„Namibia zum Schnuppern“

Oliver Haas
1996 war ich das erste mal in Afrika - als Angestellter bei der Palmwag Lodge im wilden Damaraland in Namibia. Seitdem bin ich fasziniert von den Kulturen, den atemberaubenden Landschaften und der einzigartigen Tierwelt dieses Kontinents. Vom Afrika-Fieber gepackt, habe ich bereits Namibia, Südafrika, Botswana, Zimbabwe, Zambia, Malawi, Mozambique, Tanzania, Kenya, Uganda und Madagaskar bereist. Auf meinen Reisen durfte ich viele unvergessliche Momente erleben. Der wohl Eindrucksvollste für mich war, als ich als "Hobby-Guide" auf der Palmwag Lodge in Namibia bei einer Pirschfahrt mein allererstes freilaufendes Spitzmaulnashorn für meine Gäste aufgespürt habe.